Die Kniegelenksdistraktion
Was ist die Kniegelenksdistraktion?
Die Kniegelenksdistraktion ist eine vorübergehende chirurgische Behandlung, die das Gelenk erhält und eine Knieprothese (künstliches Kniegelenk) um Jahre hinauszögern kann. In Kombination mit einer intensiven konservativen Therapie wollen wir eine Knieprothese wenn möglich ganz verhindern.
Wer ist für die Kniegelenksdistraktion geeignet?
Patienten mit schmerzhafter Kniearthrose, die bereits alles Mögliche probiert haben, weniger als 120 kg wiegen, eine weitgehend gerade Beinachse haben (maximal 10° Achsenabweichung), nicht älter als 65 Jahre sind (es zählt allerdings das biologische Alter) und eine Knieprothese vermeiden wollen sowie bereit sind, nach der Distraktion Zeit in ihr Kniegelenk zu investieren.
Wie funktioniert die Kniegelenksdistraktion?
Der „KneeReviver” entlastet das geschädigte Kniegelenk, indem er die Kniegelenkflächen für sechs Wochen auseinanderzieht. Dadurch kann sich der Knorpel regenerieren und wieder Nährstoffe aufnehmen. Zusätzlich strömen aus der Gelenksinnenhaut viele Stammzellen in das Gelenk, die den Knorpel regenerieren. Dieser Regenerationsprozess kann bis zu zwei Jahre dauern. In die Erforschung dieser Knorpelregeneration war die PMU (Paracelsus Medizinische Privatuniversität) eingebunden.
Was ist der Vorteil der Kniegelenksdistraktion?
Knieprothesen aus Metall und Kunststoff nutzen sich mit der Zeit ab und halten etwa 10 bis 20 Jahre. Bei jüngeren, aktiveren Patienten ist die Haltbarkeit kürzer, sodass Austauschoperationen (Revisionen) nötig werden. Da diese schlechtere Ergebnisse liefern, sollte die Implantation der ersten Knieprothese möglichst lange hinausgezögert werden.
Studien und medizinische Evidenz
Homepage des Herstellers
Fernsehbeiträge
Nach revolutionärer Kniebehandlung wächst Knorpel bei Patientin nach Fernsehbeitrag im SWR
Uniklinik Freiburg bietet wegweisende neue Knie OP an Fernsehbeitrag im SWR
Artikel in Zeitungen und Fachzeitschriften
Kniestrecker statt Kunstgelenk
Artikel in der Wochenzeitung Die ganze Woche, Ausgabe November 2025
Weg mit dem Knieschmerz
Artikel im Nachrichtenmagazin Der Spiegel
Kniegelenksdistraction bei der Behandlung schwerer Arthrose
Artikel in der Fachzeitschrift Arthroskopie, Juli 2020
Studien
Studien
https://doi.org/10.1136/ard.2010.142364
Übersetzter Titel der Studie
Modifikation der Gewebestruktur bei Kniearthrose durch Gelenkdistraktionstherapie:
eine offene einjährige Pilotstudie
Die Studie in einem Satz
Eine holländische Studie zeigt sensationell: Mechanische Gelenkdistraktions-Therapie
kann bei fortgeschrittener Kniearthrose verloren gegangenen Knorpel tatsächlich
wiederherstellen und das Gelenk heilen – ein Effekt, den bisher kein anderes Verfahren
erreichen konnte.
Zusammenfassung der Studie
Diese niederländische Pilotstudie umfasste 20 Patienten mit fortgeschrittener
Kniearthrose (durchschnittlich 48 Jahre alt), die Kniegelenks-Ersatzoperationen
ablehnen wollten oder aufgrund ihres Alters nicht für eine Operation infrage kamen.
Die Patienten wurden mit kontinuierlicher Gelenkdistraktionstherapie behandelt,
bei der ein Fixateur Externe am Knie angebracht wurde, der die beiden Knochenseiten
über etwa 14 Tage hinweg mit circa 0,5 mm pro Tag auseinander zog. Anschließend
folgte eine Immobilisierungsphase. Nach einem Jahr zeigte sich radiographisch ein
signifikanter Anstieg des Gelenksspaltes von durchschnittlich 2,7 auf 3,6 mm.
MRT-Untersuchungen belegten einen echten Knorpelzuwachs von 2,4 auf 3,0 mm
sowie eine Reduktion entknorpelter Knochenflächen von 22 Prozent auf 5 Prozent
(p<0,001). Klinisch verbesserten sich die WOMAC-Schmerzwerte deutlich von
55 auf 23 Punkte, und 80 Prozent der Patienten zeigten eine Verbesserung von
mehr als 25 Prozent.
Bedeutung der Studie
Diese Studie gehört zu den wichtigsten Arbeiten in der Orthopädie und Regenerativen
Medizin, da sie erstmals dokumentiert, dass menschliches Knorpelgewebe – lange als
nicht regenerierbar angesehen – unter den richtigen biomechanischen Bedingungen
tatsächlich repariert werden kann. Die Ergebnisse widerlegen das klassische Dogma
der fehlenden Knorpelregeneration und zeigen, dass konstante Gelenkdistraktion eine
Umgebung schafft, in der endogene Reparaturmechanismen aktiviert werden können.
Wahrscheinlich spielen mesenchymale Stammzellen aus der Gelenkflüssigkeit eine
zentrale Rolle. Die klinischen Konsequenzen sind enorm, da sich hier eine nicht-
operative Behandlungsoption für fortgeschrittene Kniearthrose eröffnet, die bislang
fast ausschließlich mit Knieprothesen behandelt wurde. Die Studie wurde über
200-mal zitiert und legte den Grundstein für zahlreiche Folgestudien. In mehreren
europäischen Ländern ist die Gelenkdistraktionstherapie inzwischen etabliert.
Bedeutung für die konservative Schmerztherapie
Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass gezielte mechanische Entlastung eines
Gelenks nicht nur schmerzlindernd wirkt, sondern regenerative Prozesse auslösen
kann. Für die konservative Schmerztherapie bedeutet dies einen Paradigmenwechsel:
Nicht allein aktive Belastung, sondern auch gezielte temporäre Entlastung kann ein
therapeutischer Schlüssel sein. Die Studie unterstreicht, dass biomechanische
Interventionen tiefgreifende biologische Effekte haben können und eröffnet neue
Perspektiven für nicht-invasive Therapiekonzepte bei chronischen Gelenkschmerzen.
Quellen
-
Intema F, Van Roermund PM, Marijnissen AC, et al.
Tissue structure modification in knee osteoarthritis by use of joint distraction: an open 1-year pilot study.
Annals of the Rheumatic Diseases. 2011;70(8):1441–1446.
https://doi.org/10.1136/ard.2010.142364
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0155524
Übersetzter Titel der Studie
Kniegelenkdistraktionstherapie im Vergleich zu totalem Kniegelenkersatz als initiale
Behandlung schwerer Arthrose: Simulation von Langzeitergebnissen und Kosteneffektivität
Die Studie in einem Satz
Eine niederländische Modellierungsstudie mit Langzeitdaten über 20 Jahre zeigt,
dass eine initiale Gelenkdistraktionstherapie bei jungen Patienten mit schwerer
Kniearthrose die Zahl der Revisionsoperationen deutlich reduziert und gleichzeitig
erhebliche Kosten einspart.
Zusammenfassung der Studie
Die niederländische Studiengruppe entwickelte ein Markov-Gesundheitszustandsmodell,
um zwei Behandlungsstrategien über einen Zeitraum von 20 Jahren zu vergleichen:
(1) sofortiger totaler Kniegelenkersatz (TKA) und (2) initiale Gelenkdistraktionstherapie
(KJD) mit späterer TKA bei Bedarf. Das zentrale Ergebnis war, dass die KJD-first-Strategie
zu deutlich weniger Gesamtoperationen führte, insbesondere zu einer erheblichen
Reduktion von Revisionsoperationen. In jüngeren Altersgruppen unter 55 Jahren konnte
die Gesamtzahl der Operationen um etwa 30–40 Prozent reduziert werden. Die
gesundheitsbezogene Lebensqualität (QALYs) war zwischen den Gruppen vergleichbar,
während die Kosten pro QALY bei der KJD-first-Strategie signifikant geringer ausfielen.
Besonders junge, aktive Patienten profitierten von diesem Ansatz, da teure
Prothesenrevisionen hinausgezögert oder vermieden werden konnten.
Bedeutung der Studie
Diese gesundheitsökonomische Studie ist von großer Bedeutung, da sie erstmals zeigt,
dass die Gelenkdistraktionstherapie nicht nur klinisch sinnvoll, sondern auch langfristig
kosteneffektiv ist. Sie widerspricht dem bisherigen Dogma, junge Patienten möglichst
früh mit einer Knieprothese zu versorgen, und zeigt, dass ein gelenkerhaltender Ansatz
langfristig sowohl Kosten spart als auch Revisionseingriffe reduziert. Die Ergebnisse
haben weitreichende Implikationen für Gesundheitssysteme und Erstattungsmodelle,
insbesondere bei jungen Patienten mit Endstadium-Arthrose. Die Studie wird in Europa
zunehmend rezipiert und trägt dazu bei, KJD als rationale Alternative zur frühen
Prothesenimplantation zu etablieren.
Bedeutung für die konservative Schmerztherapie
Für die konservative Schmerztherapie unterstreicht diese Studie, dass biomechanische
Gelenkerhaltung nicht nur funktionelle, sondern auch ökonomische Vorteile bietet.
Die gezielte Verzögerung invasiver Eingriffe durch mechanische Entlastung kann
langfristig Schmerzen reduzieren, Komplikationen vermeiden und die Autonomie
der Patienten erhalten. Sie erweitert den Blick der Schmerztherapie um eine
gesundheitsökonomische Dimension und stärkt den Stellenwert nicht-operativer
Strategien bei schwerer Kniearthrose.
Quellen
-
van der Woude JAD, Wiegant K, van Heerwaarden RJ, Spruijt S, Emans PJ,
van Roermund PM, Custers RJH, Mastbergen SC, Lafeber FPJG.
Knee joint distraction as compared to total knee arthroplasty as initial treatment for severe osteoarthritis: simulating long-term outcomes and cost-effectiveness.
PLOS ONE. 2016;11(5):e0155524.
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0155524
PMID: 27171513 · PMCID: PMC4865127
https://doi.org/10.1177/1947603519828432
Übersetzter Titel der Studie
Kniegelenkdistraktionstherapie im Vergleich zu Umstellungsosteotomie und totalem
Kniegelenkersatz: Zweijährige klinische Ergebnisse zweier randomisierter,
kontrollierter Studien
Die Studie in einem Satz
Diese niederländische, doppelt randomisierte, kontrollierte Studie zeigt, dass die
Gelenkdistraktionstherapie nach zwei Jahren klinisch gleichwertig mit Knieprothese
und Umstellungsosteotomie ist – bei gleichzeitiger Gelenkerhaltung und
Knorpelregeneration.
Zusammenfassung der Studie
In dieser niederländischen Doppelstudie wurden Patienten mit schwerer Kniearthrose
zu drei Behandlungsformen randomisiert: Gelenkdistraktionstherapie (KJD),
Knieprothese (TKA) oder Hochtibia-Umstellungsosteotomie (HTO). Eine Studie verglich
KJD mit TKA, die andere KJD mit HTO. Nach zwei Jahren zeigte sich, dass die KJD
bezüglich klinischer Verbesserungen (WOMAC, KOOS, VAS-Schmerz) der TKA und der
HTO nicht unterlegen war. Zusätzlich zeigte sich in der KJD-Gruppe eine strukturelle
Knorpelregeneration mit Zunahme der Knorpeldicke im MRT und Verbesserung des
Gelenkspalts. 80 Prozent der KJD-Patienten benötigten nach zwei Jahren keine
weitere Operation und behielten ihr eigenes Gelenk.
Bedeutung der Studie
Diese Studie stellt einen Meilenstein dar, da sie erstmals randomisierte,
kontrollierte Evidenz für die Nichtunterlegenheit der Gelenkdistraktionstherapie
gegenüber dem Goldstandard Knieprothese liefert. Während TKA das Gelenk ersetzt
und HTO lediglich die Beinachse korrigiert, ermöglicht KJD eine echte Geweberegeneration.
Besonders für Patienten unter 65 Jahren eröffnet dies die Möglichkeit, das eigene
Gelenk langfristig zu erhalten und invasive Folgeeingriffe zu reduzieren.
Bedeutung für die konservative Schmerztherapie
Die Studie stärkt die Rolle gelenkerhaltender, biomechanischer Therapiekonzepte
in der konservativen Schmerztherapie. Durch Gelenkentlastung und Aktivierung
körpereigener Reparaturmechanismen können Schmerzen reduziert, Funktion
verbessert und operative Eingriffe hinausgezögert oder vermieden werden.
Quellen
-
Jansen MP, Besselink NJ, van Heerwaarden RJ, Custers RJH, Emans PJ,
Spruijt S, Mastbergen SC, Lafeber FPJG.
Knee joint distraction compared with high tibial osteotomy and total knee arthroplasty: two-year clinical outcomes of two randomized controlled trials.
Cartilage. 2021;13(1 Suppl):1695S–1709S.
https://doi.org/10.1177/1947603519828432
PMID: 30758214 · PMCID: PMC7970375
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/1150697/
Übersetzter Titel der Studie
Wiederherstellung der Funktion im Knie und Ellenbogen mit einem
Scharnier-Distraktor-Apparat
Die Studie in einem Satz
Diese Pionierstudie aus dem Jahr 1975 zeigt, dass ein externes
Scharnier-Distraktor-Gerät gelenksteife Knie und Ellenbogen effektiv
mobilisieren und die Funktion wiederherstellen kann und damit den
konzeptuellen Ursprung der modernen Gelenkdistraktionstherapie darstellt.
Zusammenfassung der Studie
In dieser bahnbrechenden Arbeit beschrieben Volkov und Oganesian die Anwendung
eines neu entwickelten externen Scharnier-Distraktors zur Behandlung von
Gelenkkontrakturen und funktionellen Einschränkungen an Knie- und Ellenbogengelenken.
Das Gerät nutzte transossäre Pins und ein Scharniersystem, das eine konstante,
kontrollierte Distraktionskraft erzeugte und gleichzeitig Bewegung im Gelenk
ermöglichte. Dieses Konzept war revolutionär, da es erstmals zeigte, dass
kontinuierliche mechanische Distraktion nicht nur die Beweglichkeit verbessert,
sondern tiefgreifende funktionelle Wiederherstellung ermöglichen kann.
Die vorgestellten Fallbeispiele zeigten deutliche Verbesserungen der
Gelenkbeweglichkeit und Funktion bei Patienten mit schweren Kontrakturen
infolge von Trauma, Arthrose oder Immobilisation.
Bedeutung der Studie
Diese Studie besitzt enorme historische Bedeutung, da sie die konzeptuelle
Grundlage der heutigen Gelenkdistraktionstherapie bildet. Volkov und Oganesian
erkannten bereits in den 1970er-Jahren, dass kontrollierte mechanische
Distraktionskräfte nicht nur eine mechanische Entlastung bewirken, sondern
biologische Heilungsprozesse aktivieren können. Obwohl das Gerät nach heutigen
Maßstäben technisch einfach war, war das zugrunde liegende Prinzip seiner Zeit
weit voraus. Die Arbeit inspirierte Jahrzehnte später die Entwicklung moderner
externer Fixateure und regenerativer Gelenktherapien und gilt als Klassiker der
orthopädischen Literatur.
Quellen
-
Volkov MV, Oganesian OV.
Restoration of function in the knee and elbow with a hinge-distractor apparatus.
J Bone Joint Surg Am. 1975;57(6):591–600.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/1150697/
PMID: 1150697
https://doi.org/10.1016/j.jcot.2021.101723
Übersetzter Titel der Studie
Die Rolle der Gelenksdistraktionstherapie bei Kniearthrose:
Grundlagen, Prinzipien und Ergebnisse
Die Studie in einem Satz
Diese britische Übersichtsarbeit erklärt fundiert, warum die
Gelenkdistraktionstherapie bei fortgeschrittener Kniearthrose
echte Knorpelheilung ermöglichen kann und eine valide Alternative
zur Knieprothese darstellt.
Zusammenfassung der Studie
Diese Übersichtsarbeit führender britischer Knieorthopäden analysiert
umfassend die Gelenkdistraktionstherapie (KJD) bei Kniearthrose.
Ein externer Fixateur hält Tibia und Femur über etwa sechs Wochen
voneinander getrennt, während Patienten das Gelenk weiterhin voll
belasten dürfen. Diese Kombination erzeugt fluktuierende
intraartikuläre Druckverhältnisse, die den Knorpelstoffwechsel
stimulieren. Klinisch zeigen sich deutliche Schmerzreduktionen
und Funktionsverbesserungen, vergleichbar mit hoher
Tibiaosteotomie oder Knieprothese. Strukturell nimmt die
Knorpeldicke zu und der Gelenkspalt verbessert sich. Bei fast
der Hälfte der Patienten mit Stadium-IV-Arthrose kann eine
Knieprothese um bis zu neun Jahre hinausgezögert werden.
Bedeutung der Studie
Diese Arbeit ist ein zentraler Meilenstein, da sie die
Gelenkdistraktionstherapie als evidenzbasierte, gelenkerhaltende
Alternative zu etablierten operativen Verfahren positioniert.
Besonders für Patienten unter 65 Jahren eröffnet sie die
Möglichkeit, eine Knieprothese um Jahre zu verzögern und damit
das Risiko späterer Revisionsoperationen erheblich zu reduzieren.
Die Autoren definieren klare Indikationen und zeigen, dass die
biologischen Effekte der KJD weit über reine Symptomlinderung
hinausgehen.
Bedeutung für die konservative Schmerztherapie
Für die konservative Schmerztherapie unterstreicht diese
Übersichtsarbeit, dass biomechanische Entlastung und gezielte
Belastungsreize körpereigene regenerative Prozesse aktivieren
können. Die Gelenkdistraktionstherapie erweitert das Spektrum
nicht-operativer Behandlungsmöglichkeiten bei fortgeschrittener
Kniearthrose und zeigt, dass Schmerzreduktion, Funktionsgewinn
und strukturelle Heilung miteinander vereinbar sind.
Quellen
-
Bin Abd Razak HR, Campos JP, Khakha RS, Wilson AJ,
van Heerwaarden RJ.
Role of joint distraction in osteoarthritis of the knee: Basic science, principles and outcomes.
J Clin Orthop Trauma. 2021;24:101723.
https://doi.org/10.1016/j.jcot.2021.101723
PMID: 34938647 · PMCID: PMC8654974
https://doi.org/10.1016/j.knee.2016.05.001
Übersetzter Titel der Studie
Sechs Wochen kontinuierliche Gelenkdistraktionstherapie erscheinen ausreichend
für klinischen Nutzen und Knorpelgewebsreparatur bei der Behandlung von Kniearthrose
Die Studie in einem Satz
Diese niederländische Studie zeigt, dass eine Verkürzung der
Gelenkdistraktionstherapie von acht auf sechs Wochen den klinischen
Behandlungserfolg und die Knorpelheilung nicht beeinträchtigt und die
Therapie damit praktikabler und weniger belastend macht.
Zusammenfassung der Studie
In dieser Studie wurden sechs Wochen versus acht Wochen kontinuierliche
Gelenkdistraktionstherapie bei jeweils 20 Patienten mit schwerer Kniearthrose
direkt miteinander verglichen. Beide Gruppen zeigten über zwölf Monate hinweg
signifikante klinische Verbesserungen. Die WOMAC-Scores verbesserten sich um
24 Punkte in der 6-Wochen-Gruppe und um 32 Punkte in der 8-Wochen-Gruppe,
wobei der Unterschied statistisch nicht signifikant war. Auch die strukturelle
Reparatur war vergleichbar: Der mittlere Gelenkspalt nahm um 0,9 mm (6 Wochen)
versus 1,1 mm (8 Wochen) zu. Die MRT-basierte Knorpeldicke erhöhte sich um
0,4 mm in der 6-Wochen-Gruppe und um 0,6 mm in der 8-Wochen-Gruppe.
Beide Effekte waren signifikant, die Unterschiede jedoch nicht. Die Schmerzreduktion
war in beiden Gruppen ähnlich ausgeprägt. In der 8-Wochen-Gruppe trat bei einem
Patienten eine behandlungsbedürftige Pilzinfektion auf.
Bedeutung der Studie
Diese Studie hat erhebliche praktische Relevanz, da sie zeigt, dass eine
Verkürzung der Gelenkdistraktionstherapie auf sechs Wochen die therapeutische
Wirksamkeit nicht reduziert. Dies bedeutet eine geringere Belastung für Patienten,
ein potenziell niedrigeres Infektionsrisiko und eine Reduktion der Behandlungskosten.
Die vergleichbare Knorpelheilung legt nahe, dass die entscheidenden biologischen
Reparaturprozesse früh aktiviert werden und keine längere Distraktionsdauer erfordern.
Die Ergebnisse werfen zudem die Frage auf, ob künftig sogar noch kürzere
Distraktionszeiträume wirksam sein könnten.
Quellen
-
van der Woude JAD, van Heerwaarden RJ, Spruijt S, Eckstein F,
Maschek S, van Roermund PM, Custers RJH, van Spil WE,
Mastbergen SC, Lafeber FPJG.
Six weeks of continuous joint distraction appears sufficient for clinical benefit and cartilaginous tissue repair in the treatment of knee osteoarthritis.
Knee. 2016;23(5):785–791.
https://doi.org/10.1016/j.knee.2016.05.001
PMID: 27238622
https://doi.org/10.1016/S1083-7515(02)00027-X
Übersetzter Titel der Studie
Gelenkerhaltung des arthrotischen Sprunggelenks durch Distraktionsarthroplastie
Die Studie in einem Satz
Diese amerikanische Übersichtsarbeit zeigt, dass die Gelenkdistraktionstherapie
auch am Sprunggelenk wirksam ist und insbesondere für junge, aktive Patienten
eine vielversprechende Alternative zu Arthrodese oder Totalprothese darstellt.
Zusammenfassung der Studie
Diese Übersichtsarbeit von Foot-and-Ankle-Spezialisten beschreibt die Anwendung
der Gelenkdistraktionstherapie am Sprunggelenk (Tibiotalargelenk). Ein externer
Fixateur zieht das Gelenk kontinuierlich auseinander, entlastet die degenerativen
Gelenkflächen und schafft biologische Bedingungen, die Reparaturprozesse fördern.
Im Gegensatz zur Arthrodese, die Beweglichkeit opfert, oder zur Totalprothese,
die Verschleiß unterliegt, ermöglicht die Distraktionstherapie eine
gelenkerhaltende Behandlung mit Funktionsgewinn. Die Autoren berichten über
klinische und radiologische Ergebnisse mit deutlicher Schmerzreduktion und
Funktionsverbesserung. Besonderes Augenmerk wird auf die biomechanische
Komplexität des Sprunggelenks gelegt, die bei der Konstruktion der
Distraktionssysteme berücksichtigt werden muss.
Bedeutung der Studie
Diese Arbeit ist bedeutsam, da sie zeigt, dass das Prinzip der
Gelenkdistraktionstherapie nicht auf das Knie beschränkt ist, sondern auch
erfolgreich auf andere Gelenke übertragen werden kann. Sprunggelenksarthrose
stellt eine therapeutische Herausforderung dar, da Arthrodesen zu Steifheit
und Folgedegenerationen führen und Prothesen eine begrenzte Haltbarkeit haben.
Die Distraktionstherapie bietet hier eine gelenkerhaltende Alternative.
Langfristig eröffnet dies die Perspektive eines universellen Paradigmas für
die Arthrosebehandlung, bei dem Regeneration und Funktionserhalt im Vordergrund
stehen statt Gelenkersatz.
Quellen
-
van Valburg AA, van Roermund PM, Marijnissen AC, Lafeber FP,
Lammers AD, Bijlsma JW.
Joint preservation of the osteoarthritic ankle using distraction arthroplasty.
Foot Ankle Clin. 2002;7(3):515–527.
https://doi.org/10.1016/S1083-7515(02)00027-X
PMID: 12512406
https://doi.org/10.1136/rmdopen-2023-003074
Übersetzter Titel der Studie
Gelenkdistraktionstherapie mit einem speziell entwickelten Gerät bei Kniearthrose:
eine prospektive 2-Jahres-Verlaufsstudie
Die Studie in einem Satz
Eine niederländische Studie von 2023 zeigt mit neu entwickeltem spezialisiertem
Distraktionsgerät: Die Gelenkdistraktionstherapie bleibt über 2 Jahre klinisch
und strukturell wirksam bei Kniearthrose – Schmerzen reduzieren sich um
60 Prozent, Knorpeldicke regeneriert, und die meisten Patienten vermeiden
längerfristig eine Knieprothese.
Zusammenfassung der Studie
Diese niederländische prospektive Studie testete einen neu entwickelten
Distraktionsapparat (ArthroSave-Gerät) speziell für Gelenkdistraktionstherapie
bei 65 Patienten mit Endstadium-Kniearthrose (Kellgren-Lawrence Grade 3–4).
Das Gerät wurde optimiert für biomechanische Charakteristiken und einfachere
Handhabung. Nach 2 Jahren Follow-up zeigten sich beeindruckende Ergebnisse:
WOMAC-Schmerz sank von 53 auf 21 Punkte (60% Reduktion); die Gelenksspalt-Breite
verbesserte sich um +0,5 mm nach 1 Jahr und +0,4 mm nach 2 Jahren (p<0,001 und
p=0,015); der Physical Component Summary des SF-36 verbesserte sich um +10 Punkte
(p<0,001). Besonders bemerkenswert: Die Knorpelregeneration blieb stabil über
2 Jahre. Die meisten Patienten (80%) benötigten keine Knieprothese.
Bedeutung der Studie
Diese 2023-Studie ist eine der aktuellsten und zeigt, dass
Gelenkdistraktionstherapie mit optimiertem Gerät-Design noch bessere Ergebnisse
erreicht. Die Entwicklung eines speziell dafür vorgesehenen Geräts (ArthroSave)
demonstriert, dass die Technologie zunehmend raffiniert wird und dass klinische
Ergebnisse mit besseren Geräten verbessert werden können. Die Tatsache, dass
die strukturellen Verbesserungen über 2 Jahre stabil bleiben, ist entscheidend –
dies beweist echte, dauerhafte Regeneration. Die Studie zeigt auch, dass der
Prozess prinzipiell in verschiedenen Zentren weltweit durchgeführt werden kann –
nicht nur in den ursprünglichen niederländischen Zentren, wo KJD entwickelt
wurde. Mit nur minimalen Nebenwirkungen (hauptsächlich Pininfektionen, die
behandelbar sind) ist das Sicherheitsprofil ausgezeichnet. Die Studie eröffnet
auch neue Fragen: Können noch bessere Ergebnisse mit modifizierten Geräten und
Dosierungen erreicht werden? Wie lang ist die maximale Dauer der
Gelenksdistraktions-Effekte? Können Stammzellen oder biologische Faktoren
zusätzlich gegeben werden? Die 8 Zitationen in kurzer Zeit deuten auf wachsendes
klinisches Interesse hin.
Quellen
-
Struik T, Mastbergen SC, Brouwer RW, Custers RJH, van Geenen RCI,
Heusdens CHW, Emans PJ, Huizinga MR, Jansen MP.
Joint distraction using a purpose-built device for knee osteoarthritis: a prospective 2-year follow-up.
RMD Open. 2023;9(2):e003074.
https://doi.org/10.1136/rmdopen-2023-003074
PMID: 37290929 · PMCID: PMC10251883
https://doi.org/10.1055/s-0038-1669447
Übersetzter Titel der Studie
Ist Kniegelenkdistraktionstherapie eine tragfähige Behandlungsoption für Kniearthrose?
Eine Literaturübersichtsarbeit und Metaanalyse
Die Studie in einem Satz
Diese britische systematische Metaanalyse von 2019 zeigt, dass die
Kniegelenkdistraktionstherapie eine hocheffektive und sichere Behandlung für
fortgeschrittene Kniearthrose ist und sowohl funktionelle als auch strukturelle
Verbesserungen konsistent erzielt.
Zusammenfassung der Studie
Diese systematische Metaanalyse von Takahashi und Kollegen durchsuchte die
wissenschaftliche Literatur bis Februar 2018 und identifizierte insgesamt
21 Studien mit 514 Patienten zur Kniegelenkdistraktionstherapie. Die Analyse
zeigte eine signifikante funktionelle Verbesserung nach KJD (p<0,001).
Die Schmerzreduktion betrug durchschnittlich 2,2 Punkte (95% KI 1,7–2,7).
Strukturell zeigte sich eine Zunahme der Knorpeldicke im MRT um 0,36 mm
(p=0,03) sowie eine Verbesserung des radiologischen Gelenkspalts um
0,65 mm (p<0,01). Die Ergebnisse waren konsistent über verschiedene
Studienzentren und Geräte hinweg. Unerwünschte Ereignisse waren selten
und meist mild, hauptsächlich behandelbare Pininfektionen.
Bedeutung der Studie
Diese Metaanalyse stellt einen Wendepunkt dar, da sie erstmals eine formale
systematische Evidenzsynthese zur Kniegelenkdistraktionstherapie liefert.
Mit 21 Studien und über 500 Patienten erfüllt sie den Goldstandard
evidenzbasierter Medizin. Die konsistenten funktionellen Verbesserungen,
strukturelle Knorpelreparatur und das günstige Sicherheitsprofil etablieren
KJD klar als evidenzbasierte Therapieoption. Die Arbeit trug maßgeblich zur
weltweiten Akzeptanz der Gelenkdistraktionstherapie bei und machte deutlich,
dass es sich nicht um ein experimentelles Verfahren, sondern um eine
wissenschaftlich fundierte Behandlung handelt.
Quellen
-
Takahashi T, Hoshino Y, Wang JH, Fu FH.
Is Knee Joint Distraction a Viable Treatment Option for Knee Osteoarthritis? A Literature Review and Meta-Analysis.
J Knee Surg. 2019;32(8):788–795.
https://doi.org/10.1055/s-0038-1669447
PMID: 30241143
https://doi.org/10.1016/j.joca.2018.08.004
Übersetzter Titel der Studie
Initiale Gewebereparatur vorhersagend für langfristigen klinischen Erfolg der
Kniegelenkdistraktionstherapie als Behandlung schwerer Arthrose
Die Studie in einem Satz
Diese niederländische 9-Jahres-Langzeitstudie zeigt, dass die frühe Knorpelreparatur
nach Gelenkdistraktionstherapie ein zuverlässiger Prädiktor für langfristigen Erfolg
ist und Patienten mit früher Knorpeldicken-Zunahme mit hoher Wahrscheinlichkeit
dauerhaft ohne Knieprothese bleiben.
Zusammenfassung der Studie
Diese niederländische Langzeitstudie verfolgte die ursprünglichen 20 Patienten,
die mit Kniegelenkdistraktionstherapie behandelt wurden, über einen Zeitraum von
neun Jahren. Ziel war es zu untersuchen, ob frühe Reparaturmarker nach einem Jahr
den langfristigen klinischen Erfolg vorhersagen können. Das zentrale Ergebnis war,
dass die Zunahme des minimalen Gelenkspalts (JSW) nach einem Jahr der stärkste
Prädiktor für das 9-Jahres-Überleben des Gelenks war (Hazard Ratio 0,05; p=0,026).
Auch die im MRT gemessene Knorpeldicken-Zunahme war hochsignifikant prädiktiv
(HR 0,12; p=0,026). Patienten mit früher Knorpelreparatur hatten eine über
75-prozentige Wahrscheinlichkeit, nach neun Jahren keine Knieprothese zu benötigen.
Zusätzlich erwies sich männliches Geschlecht als prognostisch günstig
(HR 0,24; p=0,050).
Bedeutung der Studie
Diese 9-Jahres-Studie ist von außerordentlicher Bedeutung, da sie erstmals zeigt,
dass frühe strukturelle Knorpelreparatur ein valider Prädiktor für langfristigen
klinischen Erfolg der Gelenkdistraktionstherapie ist. Sie belegt, dass echte
Regeneration nicht nur kurzfristige Effekte hat, sondern den weiteren Verlauf
über viele Jahre bestimmt. Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass Ärzte
bereits nach einem Jahr abschätzen können, welche Patienten langfristig von der
Therapie profitieren werden. Zwei Drittel der Patienten behielten ihr eigenes
Kniegelenk über neun Jahre hinweg, definiert als Vermeidung einer Knieprothese.
Die Studie hatte weitreichende Implikationen für Patientenaufklärung,
Therapieplanung und die Etablierung der Gelenkdistraktionstherapie als
langfristig wirksame, gelenkerhaltende Behandlungsoption.
Quellen
-
Jansen MP, Mastbergen SC, Lafeber FPJG, van Roermund PM, Custers RJH,
Emans PJ, Huizinga MR.
Initial Tissue Repair Predicts Long-Term Clinical Success of Knee Joint Distraction as Treatment for Severe Osteoarthritis.
Osteoarthritis Cartilage. 2018;26(12):1604–1608.
https://doi.org/10.1016/j.joca.2018.08.004
PMID: 30138728
https://doi.org/10.1097/00003086-199803000-00033
Übersetzter Titel der Studie
Die Funktion steiffer Gelenke kann durch Ilizarov-Gelenkdistraktionstherapie
wiederhergestellt werden
Die Studie in einem Satz
Diese niederländische Pionierstudie von 1998 zeigt, dass mit dem Ilizarov-
Distraktionsapparat selbst stark versteifte Gelenke ihre Funktion
wiedererlangen können und geplante Arthrodesen vermieden werden.
Zusammenfassung der Studie
Diese klassische niederländische Studie von van Roermund und Kollegen
beschreibt die Anwendung des Ilizarov-Fixateurs – eines zirkulären externen
Fixationssystems mit Scharniermechanismus – bei Patienten mit ausgeprägter
Gelenksteifheit infolge von Trauma, Arthrose oder Kontrakturen. Der Apparat
wurde eingesetzt, um die Gelenkflächen schrittweise zu distrahieren und
gleichzeitig kontrollierte Bewegung zu ermöglichen. Das zentrale Ergebnis
war, dass selbst bei nahezu aufgehobener Beweglichkeit durch mehrere Wochen
bis Monate dauernde Distraktion eine echte funktionelle Gelenkbeweglichkeit
wiederhergestellt werden konnte – ohne offene Gelenkoperation. In vielen
Fällen konnte dadurch eine geplante Arthrodese vermieden werden.
Bedeutung der Studie
Diese Studie ist historisch von enormer Bedeutung, da sie das Ilizarov-System
erstmals konsequent als Gelenkdistraktions-Therapie etablierte und damit den
Grundstein für die moderne Gelenkdistraktionsmedizin legte. Sie zeigte, dass
mechanische Distraktionskräfte nicht nur Knochen, sondern auch Gelenke
regenerativ beeinflussen können. Diese Arbeit gilt als direkter Vorläufer der
späteren niederländischen Kniegelenkdistraktionsstudien und inspirierte die
Entwicklung moderner Distraktionsgeräte speziell für Gelenkheilung. Mit über
60 Zitationen etablierte die Studie den Proof-of-Concept, dass
Gelenkdistraktionstherapie eine echte Alternative zur Gelenkversteifung sein
kann und eröffnete ein völlig neues therapeutisches Paradigma.
Quellen
-
van Roermund PM, Lafeber FP, Scholten RJPM, Mastbergen SC.
Function of stiff joints may be restored by Ilizarov joint distraction.
Clinical Orthopaedics and Related Research. 1998;(348):220–227.
https://doi.org/10.1097/00003086-199803000-00033
PMID: 9553556
https://doi.org/10.3113/FAI.2012.0632
Übersetzter Titel der Studie
Evidenzgestützte Indikationen für Sprunggelenks-Distraktionsarthroplastie
Die Studie in einem Satz
Eine amerikanische systematische Übersichtsarbeit von 2012 analysiert die
verfügbare Evidenz zur Sprunggelenks-Distraktionstherapie und definiert klare,
evidenzgestützte Indikationen und Kontraindikationen für diese gelenkerhaltende
Therapie.
Zusammenfassung der Studie
Diese amerikanische Review von Smith und Kollegen durchsuchte systematisch die
Literatur und bewertete die Evidenz zur Sprunggelenks-Distraktionstherapie
anhand der Oxford Level-of-Evidence-Klassifikation. Ziel war es, klare
Kriterien zu definieren, welche Patienten von dieser Therapie profitieren.
Die Analyse ergab eine evidenzgestützte Indikationsliste: Patienten unter
65 Jahren mit Endstadium-Sprunggelenkarthrose (Kellgren-Lawrence Grad 3–4),
vorwiegend posttraumatischer Genese, mit erhaltenem Gelenkspalt über 2 mm,
gutem knöchernen Alignment und ohne relevante neuroinflammatorische
Erkrankungen. Als Kontraindikationen wurden ein Alter über 75 Jahre, ein
Gelenkspalt unter 2 mm, schwere neurologische Begleiterkrankungen oder
vorausgegangene Infektionen identifiziert. Die Autoren betonen zudem die
höhere technische Komplexität der Sprunggelenksdistraktion im Vergleich zum
Knie.
Bedeutung der Studie
Diese Übersichtsarbeit ist von zentraler Bedeutung, da sie erstmals
standardisierte, evidenzbasierte Indikationen und Kontraindikationen für die
Sprunggelenks-Distraktionsarthroplastie definiert. Damit wurde ein wichtiger
Schritt zur Standardisierung und Legitimation dieser Therapieform vollzogen.
Die Studie zeigt, dass insbesondere junge Patienten mit posttraumatischer
Arthrose von der Distraktion profitieren, während fortgeschrittene
degenerative Veränderungen mit massiv reduziertem Gelenkspalt ungeeignet
sind. Mit über 60 Zitationen gilt die Arbeit als Referenz für die Indikations-
stellung und trug wesentlich zur weltweiten Akzeptanz der
Sprunggelenks-Distraktionstherapie bei.
Quellen
-
Smith NC, Beaman DN, Rozbruch SR, Donahue DL, Fragomen AT.
Evidence-based indications for distraction ankle arthroplasty.
Foot & Ankle International. 2012;33(8):632–636.
https://doi.org/10.3113/FAI.2012.0632
PMID: 22995229
https://doi.org/10.1016/j.jbspin.2016.03.004
Übersetzter Titel der Studie
Gelenkdistraktionstherapie zur Behandlung von Kniearthrose
Die Studie in einem Satz
Eine französische Review-Arbeit von 2016 zeigt, dass die
Gelenkdistraktionstherapie bei Kniearthrose klinisch wirksam und chirurgisch
durchführbar ist, jedoch aufgrund kleiner Fallzahlen, kurzer Nachbeobachtungs-
zeiten und häufiger Pin-Infektionen noch größerer, prospektiver Studien bedarf.
Zusammenfassung der Studie
Diese französische Übersichtsarbeit von Flouzat-Lachaniette und Kollegen
analysiert systematisch die bis dahin verfügbaren Daten zur
Kniegelenkdistraktionstherapie. Das Grundprinzip wird erläutert: Ein externer
Fixateur zieht das Kniegelenk kontinuierlich auseinander, um degenerative
Belastung zu reduzieren und regenerative Prozesse zu fördern. Die Autoren
berichten konsistent über klinische Verbesserungen hinsichtlich Schmerz und
Funktion. Strukturell zeigen MRT- und Röntgenbefunde Hinweise auf
Knorpelregeneration mit Zunahme der Knorpeldicke und Verbesserung des
Gelenkspalts. Als häufigste Komplikationen werden Pin-Traktinfektionen und
vorübergehende Gelenksteifigkeit beschrieben. Kritisch wird angemerkt, dass
die bisherigen Studien meist kleine Fallzahlen, kurze Nachbeobachtungszeiten
und fehlende Kontrollgruppen aufweisen, was die Evidenzstufe begrenzt.
Bedeutung der Studie
Diese Review ist von Bedeutung, da sie sowohl die Wirksamkeit als auch die
Limitationen der Gelenkdistraktionstherapie klar darstellt. Sie bestätigt, dass
KJD funktionelle und strukturelle Verbesserungen bei Kniearthrose erzielen kann,
weist jedoch gleichzeitig auf die Notwendigkeit größerer, methodisch
hochwertiger und langfristiger Studien hin. Die häufig berichteten
Pin-Traktinfektionen werden als relevante, aber meist beherrschbare
Nebenwirkung eingeordnet. Die Arbeit trug maßgeblich dazu bei, die Diskussion
über Studiendesign, Fallzahlen und Follow-up-Dauer zu intensivieren und
beeinflusste nachfolgende randomisierte kontrollierte Studien mit verbesserten
methodischen Standards.
Quellen
-
Flouzat-Lachaniette CH, Roubineau F, Heyberger C, Bouthors C.
Distraction to treat knee osteoarthritis.
Joint Bone Spine. 2017;84(2):141–144.
https://doi.org/10.1016/j.jbspin.2016.03.004
PMID: 27178780
https://doi.org/10.1002/art.10612
Übersetzter Titel der Studie
Klinischer Nutzen der Gelenkdistraktionstherapie bei der Behandlung schwerer Kniearthrose
Die Studie in einem Satz
Diese niederländische Pionierstudie von 2002 zeigt erstmals, dass mechanische
Gelenkdistraktionskräfte bei schwerer, therapieresistenter Kniearthrose zu
signifikanter Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung führen und damit eine
völlig neue Therapieklasse begründen.
Zusammenfassung der Studie
Diese niederländische Pionierstudie von Marijnissen und Kollegen ist die erste
publizierte klinische Arbeit zur Gelenkdistraktionstherapie bei Kniearthrose.
Behandelt wurden 11 Patienten mit schwerer Kniearthrose
(Kellgren-Lawrence Grad 3–4) und therapieresistentem Schmerz. Zum Einsatz kam
ein externer Fixateur mit spezieller Gelenkscharnierkomponente, der eine
kontinuierliche Distraktion über acht Wochen ermöglichte. Die Ergebnisse waren
revolutionär: Die Schmerzintensität (VAS) sank signifikant von 76 auf 31
(p<0,001), begleitet von deutlicher Funktionsverbesserung und normalisiertem
Gangbild. Strukturell zeigte sich eine Verbesserung des Gelenkspalts sowie
erste Hinweise auf Knorpelregeneration. Die Effekte blieben über mehrere Monate
im Follow-up erhalten.
Bedeutung der Studie
Diese Studie ist fundamental, da sie den Proof-of-Concept für die
Gelenkdistraktionstherapie lieferte. Mit über 200 Zitationen gehört sie zu den
meistzitierten Arbeiten in diesem Feld. Sie etablierte erstmals die Idee, dass
mechanische Gelenkentlastung kombiniert mit kontrollierter Belastung eine
therapeutische Wirkung bei Arthrose entfalten kann. Diese Arbeit war der
Ausgangspunkt für Jahrzehnte weiterer Forschung, größere klinische Studien,
Metaanalysen und die internationale Verbreitung der Gelenkdistraktionstherapie.
Sie legte den biologischen und klinischen Grundstein für eine völlig neue,
regenerative Therapieklasse in der Arthrosebehandlung.
Quellen
-
Marijnissen AC, van Roermund PM, TeKoppele JM, Lafeber FP.
Clinical benefit of joint distraction in the treatment of severe osteoarthritis of the knee: proof of concept in an open uncontrolled pilot study and in a randomized controlled study.
Arthritis & Rheumatism. 2002;46(11):2893–2902.
https://doi.org/10.1002/art.10612
PMID: 12428229
https://doi.org/10.1093/rheumatology/keac723
Übersetzter Titel der Studie
Künstliche Intelligenz bei Arthrose: Reparatur durch Gelenkdistraktionstherapie zeigt Assoziation von Schmerzabbau, radiologischen und immunologischen Ergebnissen
Die Studie in einem Satz
Eine niederländische Studie von 2023 zeigt mithilfe künstlicher Intelligenz, dass
die durch Gelenkdistraktionstherapie erzielte strukturelle Verbesserung des
Gelenkspalts eng mit Schmerzreduktion und messbaren immunologischen Veränderungen
der Synovialflüssigkeit assoziiert ist.
Zusammenfassung der Studie
Diese niederländische Studie von Jansen und Kollegen nutzte moderne künstliche
Intelligenz (IB Lab KOALA-Software) zur automatisierten radiographischen Messung
struktureller Veränderungen nach Kniegelenkdistraktionstherapie. Untersucht
wurden 20 Patienten, bei denen Röntgenaufnahmen vor und etwa ein Jahr nach der
Behandlung analysiert wurden. Zusätzlich wurde Synovialflüssigkeit vor, während
und nach der Therapie gewonnen und auf immunologische Biomarker untersucht. Die
KI-basierte Analyse zeigte eine signifikante Verbesserung des Gelenkspalts im
jeweils am stärksten betroffenen Kompartiment. Diese strukturelle Verbesserung
korrelierte statistisch signifikant mit der Reduktion der WOMAC-Schmerzwerte
sowie mit Veränderungen inflammatorischer Marker wie MCP-1 und TGFβ-1 in der
Synovialflüssigkeit.
Bedeutung der Studie
Diese Studie ist innovativ, da sie erstmals künstliche Intelligenz zur
objektiven Quantifizierung struktureller Reparaturprozesse nach
Gelenkdistraktionstherapie einsetzt. Die enge Korrelation zwischen
Gelenkspalt-Zunahme, Schmerzreduktion und immunologischen Veränderungen liefert
einen starken Hinweis darauf, dass die klinische Wirkung der Therapie auf
biologisch messbaren Reparaturmechanismen beruht. Damit unterstützt die Arbeit
die Hypothese, dass Gelenkdistraktionstherapie nicht nur symptomatisch wirkt,
sondern echte regenerative Prozesse auslöst. Zudem zeigt sie das Potenzial von
KI-gestützten Messverfahren für zukünftige Arthroseforschung und die
Weiterentwicklung objektiver Outcome-Parameter.
Quellen
-
Jansen MP, Mastbergen SC, Custers RJH, van Roermund PM, Emans PJ, Huizinga MR,
Lafeber FPJG.
Artificial intelligence in osteoarthritis: repair by knee joint distraction shows association of pain, radiographic and immunological outcomes.
Rheumatology (Oxford). 2023;62(8):2789–2798.
https://doi.org/10.1093/rheumatology/keac723
PMID: 36494054
PMCID: PMC10343609
https://doi.org/10.1053/joca.1998.0242
Übersetzter Titel der Studie
Veränderte Mechanik von Knorpel bei Arthrose: Human- und Tierstudien
Die Studie in einem Satz
Eine bahnbrechende niederländische Studie zeigt, dass arthrosegeschädigter Knorpel fundamental veränderte mechanische Eigenschaften aufweist – verringerte Steifheit, erhöhte Schwellungsneigung – und erklärt damit sowohl die pathologischen Vorgänge als auch das theoretische Fundament für Distraktionstherapie als Reversionsansatz.
Zusammenfassung der Studie
Diese klassische Studie von van Valburg und Kollegen analysiert die mechanischen Eigenschaften von arthrosegeschädigtem Knorpel bei Menschen und in Tiermodellen (besonders das ACLT-Modell – vordere Kreuzbandtranssektion-Modell). Das zentrale Ergebnis war revolutionär: Arthrose verursacht dramatische Veränderungen der Knorpelmechanik. Die Zugfestigkeit nimmt ab, die Druckfestigkeit sinkt, die Schersteifheit reduziert sich. Besonders charakteristisch ist eine massiv erhöhte Schwellungsneigung des arthrotischen Knorpels – dieser nimmt mehr Wasser auf und wird weicher. Strukturell zeigt sich eine Deterioration des Kollagen-Proteoglykan-Netzes, besonders an der Gelenksfläche. Im ACLT-Tiermodell wurden identische Veränderungen beobachtet. Die Studie erklärt auch, warum diese mechanischen Änderungen tückisch sind: Ein weicherer, geschwollener Knorpel trägt Last weniger effektiv und degeneriert weiter.
Bedeutung der Studie
Diese Studie ist grundlegend, weil sie die biomechanische Pathophysiologie von Arthrose erklärt. Sie zeigt, dass Arthrose nicht einfach "Verschleiß" ist, sondern eine fundamentale Veränderung der Gewebearchitektur, die zu veränderten mechanischen Eigenschaften führt. Dies eröffnete völlig neue therapeutische Perspektiven: Wenn die Mechanik kaputt ist, könnte man durch veränderte Biomechanik (Gelenkdistraktionstherapie) möglicherweise diese Veränderungen reversieren. Die Studie hat 500+ Zitationen und ist Grundlage für alle modernen Konzepte der mechanobiologischen Arthrose-Therapie. Sie erklärt auch, warum Belastungsschonung manchmal kontraproduktiv ist – das Gelenk braucht die richtige Last, nicht Überbelastung oder völlige Schonung. Die Erkenntnisse führten zur Hypothese, dass Gelenkdistraktionstherapie (durch intermittierende optimale Last und Entlastung) die veränderte Knorpelmechanik korrigieren könnte. Dies war der konzeptuelle Durchbruch, der die niederländische Gelenkdistraktions-Forschung initiierte.
Quellen
van Valburg AA, van Roermund PM, Marijnissen AC, Lafeber FP, Engel B, Ouweland FA, Goldschmeding R.
Altered mechanics of cartilage with osteoarthritis: human and animal studies.
Osteoarthritis Cartilage. 1998 Jul;6(4):262-71.
doi:
https://doi.org/10.1053/joca.1998.0242
PMID: 10367011.
https://doi.org/10.1016/j.joca.2013.08.006
Übersetzter Titel der Studie
Anhaltender klinischer und struktureller Nutzen nach Gelenkdistraktionstherapie in der Behandlung schwerer Kniearthrose
Die Studie in einem Satz
Die 2-Jahres-Nachverfolgung der Gelenkdistraktionstherapie-Patienten zeigt, dass die Knorpelheilung nicht nur anhält, sondern die neu gebildeten Knorpelstrukturen mechanisch stabil und funktionsfähig bleiben – ein Beweis für echte, dauerhafte Reparatur und nicht nur vorübergehende Verbesserung.
Zusammenfassung der Studie
Diese Folgestudie der niederländischen Forschergruppe verfolgte die ursprünglichen 20 Gelenkdistraktionspatienten über 2 Jahre nach ihrer Behandlung. Die Ergebnisse waren beeindruckend: Die klinische Verbesserung (Schmerz, Funktionalität) blieb vollständig erhalten – der WOMAC-Score war im Jahr 2 ähnlich niedrig wie nach 1 Jahr. Wichtiger noch: Die strukturellen Verbesserungen waren ebenfalls stabil oder verstärkt sich sogar. Die Knorpeldicke (gemessen durch MRT) stieg weiter an von 2,35 mm (Baseline) auf 2,78 mm nach 2 Jahren (p=0,03). Das Gelenkspaltminimum (JSW) – ein Marker unter Belastung – stieg von 1,1 mm auf 1,7 mm (p=0,03). Diese Zunahme unter Last-tragenden Bedingungen deutet darauf hin, dass der neue Knorpel mechanisch robust und belastbar ist, nicht einfach Ödem oder Bindegewebe. Biochemische Marker des Knorpelstoffwechsels zeigten weiterhin Zeichen von Reparatur, nicht Degeneration.
Bedeutung der Studie
Diese 2-Jahres-Langzeitstudie ist kritisch wichtig für die Validierung von Gelenkdistraktionstherapie als echte regenerative Behandlung – nicht nur eine vorübergehende Erleichterung. Die Besonderheit ist, dass nicht nur die Symptome besser werden, sondern die objektiven strukturellen Veränderungen (Knorpeldicke, Gelenkspalt) sich weiterhin verbessern über 2 Jahre. Dies spricht gegen die Hypothese, dass die anfängliche Verbesserung einfach auf Inflammation, Ödem oder andere vorübergehende Faktoren zurückzuführen ist. Vielmehr deutet es auf echte Knorpelregeneration hin. Die Tatsache, dass die neu gebildeten Gewebe unter mechanischer Last ihre Dicke und Funktion bewahren, ist besonders überzeugend. Diese Studie eröffnet auch langfristige Hoffnung für Patienten mit Endstadium-Arthrose: Statt automatische Knie-Prothesen, könnte eine biologische Reparatur möglich sein, die über Jahre erhalten bleibt. Dies hat auch wirtschaftliche Implikationen – Langzeitkosten könnten durch Vermeidung von Prothesen gesenkt werden. Die Studie hat 200+ Zitationen und inspirierte viele weitere prospektive Studien weltweit. Sie eröffnet auch neue Fragen: Was sind die Langzeit-Follow-up-Daten (5, 10 Jahre)? Können andere Gelenke (Hüfte, Sprunggelenk) auch von dieser Therapie profitieren? Können andere nicht-operative Techniken (Stammzell-Therapie, biologische Implantate) mit Gelenkdistraktionstherapie kombiniert werden?
Quellen
Wiegant K, van Roermund PM, Intema F, Cotofana S, Eckstein F, Mastbergen SC, Lafeber FPJG.
Sustained clinical and structural benefit after joint distraction in the treatment of severe knee osteoarthritis.
Osteoarthritis Cartilage. 2013 Nov;21(11):1660-7.
doi:
https://doi.org/10.1016/j.joca.2013.08.006
PMID: 23954704.